Ich liebe es in den Himmel zu blicken und das Spiel der Wolken und den Tanz der Lichter zu bestaunen. So kreativ, immer neu und niemals langweilig. Die Liebe des Himmels zu den Wolken, den Sternen und der Sonne ist Ausdruck der Liebe in ihrer reinsten Form: die Liebe des Seins zum Leben. Der Himmel ist einfach da: offen und frei und alle Erscheinungen in gleicher Freude willkommen heißend. Ob Tag oder Nacht, ob Regen oder Sonnenschein – der Himmel ist einfach verfügbar. Ist das nicht ein großes Glück für die Wolken?

Bewusstsein ist von gleicher Natur wie der Himmel. Immer vollkommen rein und unbefleckt steht es allen Erscheinungen zur Verfügung darin Leben zu finden. Nicht wertend, nicht trennend, ohne Urteil. Hier gibt es keine guten oder schlechten Erscheinungen, nichts was angestrebt wird und nichts was abgelehnt wird oder vermieden werden muss. Sonnenschein wird nicht bevorzugt und Regen nicht verneint. Beide singen ihr Lied auf der Leinwand des Himmels, ohne dem Himmel irgendetwas von seiner Unendlichkeit oder seinem Frieden zu nehmen. Nichts kann zu der Unendlichkeit des Raumes etwas hinzufügen und nichts kann etwas wegnehmen. Der Himmel liebt die Wolken und der Himmel liebt den Sonnenschein. Wie könnte er das eine bevorzugen und das andere verneinen!

Das ist der Tanz des Lebens auf der Bühne des Seins – genau wie er sich im menschlichen Leben abspielt. Nur leider vergraben die Menschen den Blick in die Wolken und vergessen den Himmel. Dabei vergessen sie leider das wesentliche, denn: Wir sind der Himmel! Wenn sich die Gewitterwolken zusammenbrauen haben wir das Gefühl unser Leben bräche zusammen. Und wenn endlich mal wieder kurz die Sonne scheint wollen wir das für die Ewigkeit behalten. Doch Erscheinungen sind niemals für die Ewigkeit. Sie werden uns von diesem Augenblick geschenkt und vom nächsten bereits wieder genommen. Wer die Ewigkeit in den Erscheinungen sucht, steht auf verlorenem Posten: alles, was irgendwann begonnen hat, wird auch irgendwann ein Ende finden. Das ist die grundlegende Logik des Lebens und der Schöpfung. Aus der Unendlichkeit geboren kehren alle Phänomene auch wieder zurück. Festhalten schafft Leiden.

Genauso verhält es sich am anderen Ende der Polarität. Wieviel Energie wenden wir auf, indem wir versuchen, graue Wolken wegzuschieben oder unschöne Wolkengebilde umzuformen! Dabei ist das ein derart sinn- und hoffnungsloses Tun. Wolken kommen und gehen, Empfindungen kommen und gehen, Gedanken kommen und gehen. Das ist die Natur aller Phänomene. Erwachen bedeutet nicht, dass es nur strahlenden Sonnenschein gibt, nicht rund um die Uhr glückseliges Urlaubswetter. Glückseligkeit ja, aber nicht auf der Ebene der Erscheinungen sondern in der Unermesslichkeit des Himmels.

Die Weite des Himmels geht in allen Wettererscheinungen nicht verloren und bleibt unberührt. Das muss der Himmel nicht erst lernen, dazu ist keine Entwicklung notwendig – das ist seine Natur seit Anbeginn. Dies zu sehen und der himmlischen Grenzenlosigkeit gewahr zu bleiben ist Befreiung. Wenn du die Seligkeit des Himmels in allen Wetterlagen lieben lernst, dann ist es nicht mehr wichtig, ob sich da dicke Wolken zusammenbrauen oder ob tagelang die Sonne scheint. Dann ruhst du in Frieden und Gelassenheit und erfreust dich an der Kreativität der inneren Wettergötter.

Die unnützen Anstrengungen, Dinge ändern zu wollen, die sich sowieso in konstanter Wandlung befinden und im nächsten Moment vielleicht schon wieder ganz anders aussehen, bereiten uns so viel Leid. Doch all das darf sich nun entspannen. Wandlung ist eine der Urkräfte des Lebens. Dich mit deiner kleinen individuellen Energie dem entgegenzustellen ist aussichtslos, arrogant und dumm.

So kannst du immer tiefer gehen im Gewahr werden der unendlichen Liebe des Himmels zu den Wolken. Dein tiefster Schmerz, deine tiefsten Ängste – alles ist hier willkommen, nichts muss sich ändern. Sogar hinter deinen größten Widerständen, wenn dein komplettes System auf Abwehr und Anspannung schaltet, ist das zeitlose Lachen des Seins zu hören – und das ist vielleicht das größte Geschenk im Tanz der Existenz!